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Ärzteseiten

   

Leute am blauen See/ August Macke (1913)

 

NON VIVERE SED VALERE VITA

Nicht wer lebt, der lebt, nur wer gesund ist, lebt.

 

 

Im Bereich der Wissenschaften kommt dem Mediziner eine Sonderstellung zu. Er hat es mit dem großen Ge­heim­nis­ zu tun, das wir Leben nennen. Er steht im Schatten des Leidens, das dunkel und unge­löst über der Menschheit schwebt, und er ringt mit jener rätselhaften Macht, die alles Leben beendet, dem Tod.

           

So steht die Heilkunst der Philosophie nahe. Sie galt den Römern sogar als ihre Schwester: MEDICINA SOROR PHILOSOPHIAE (Tertian). Auch heute noch ist Heilen nicht nur Beruf und Wissen, sondern auch Phantasie und Intuition.

 

Auf der anderen Seite wird der Arzt, der tagtäglich mit dem Tod konfrontiert wird, zum Realisten,  manchmal sogar zum Zyniker.

 

Ihm fällt es schwer, sein Gegenüber jenseits von krank und gesund zu erkennen. Deshalb ist es wichtig, dass er seine Partnerin möglichst außerhalb seiner beruflichen Umgebung sucht, dass er über Diskretion und Sensibilität seine Gefühlswelt öffnen und sich einer Partnerschaft hingeben kann. In diesem Sinne möchten wir das obige Epigramm von Martial umkehren:

Nur wer liebt, der lebt - und ist gesund!

    

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